Archiv Dezember 2007

Silvester in Meyrin

Abgelegt unter Taizé am 31.12.2007

Am letzten Tag des Jahres streikten Körper und Geist und sagten: Nein zu den Massen in den Hallen, nein zum Gebet und Gesängen, nein zum Gedränge in den Verkehrsmitteln. Nein zu den zehntausenden von Polen. Alles nervte, ich wollte nur schlafen. Oder in einen der Flieger am Flughafen steigen und mich abseilen. Eine solche Stimmung hatte ich in den letzten 20 Jahren nicht einmal. Aber diesmal war etwas anders. Am Abend immerhin wieder ein Höhepunkt: Traditionell versammelt sich die Gemeinde mit ihren Gästen um 23 Uhr zur Andacht, um mit Taizé-Gesängen dem Jahresende “entgegen zu singen”. Mit Fackeln ging es anschliessend durch Meyrin, wo uns in einer Sporthalle ein gigantisches Buffet erwartete. Der Festschmaus, an dem viele Frauen aus der Pfarrei mitgeholfen haben, wurde in Rekordzeit verzehrt. Es folgten viele gute Gespräche mit Verantwortlichen des Ökumenischen Zentrums von Meyrin. Eine engagierte und ungewöhnliche Gemeinde mit einer interessanten Geschichte, in der wir diesmal zu Gast sein konnten.

Schweizer-Treffen in der Kathedrale

Abgelegt unter Taizé am 30.12.2007

Nach einigen Tagen entwickelt ein Taizé-Treffen einen speziellen “Groove”. Das spürte man heute an der ausgelassenen Stimmung bei der Essensvergabe, im Pressezentrum, an der konzentrierten Stille in der Halle und den fröhlich-kreischenden Leuten in der Altstadt. Mich trieb es heute bei Traumwetter an den Genfersee, wo ich nach all dem Trubel in einem rustikalen Seepromenadenrestaurant in Ruhe Zeitungen und Café genoss. Danach ging es zum traditionellen “Schweizer-Treffen”, das diesmal in der Kathedrale zu Genf stattfand. Ein derart Grosses wird es wohl selten mehr geben. Die Kirche war übervoll, die Stimmung ausgelassen. Alle Erlebnisberichte unterstrichen die Einmaligkeit des Genfer Taizé-Treffens. Was alle mittlerweile wussten: Vor über 60 Jahren lebte Frère Roger unweit der Kathedrale mit seinen ersten Brüdern in einem alten Haus.

Tag der Thementreffen

Abgelegt unter Taizé am 29.12.2007

Wer ein Treffentag von A-Z mitmacht, hat es streng: 8.30 Uhr Morgengebet in der Kirchgemeinde. Danach hektische Gespräche in Kleingruppen zum Brief aus Taizé. Fahrt in überfüllten Bussen zum Palexpo. Schlange stehen, essen fassen, Platz suchen. Mittaggebet in der Halle. Thementreffen an verschiedenen Orten in der Stadt. Ich nahm heute an einem Podium im Gebäude des Weltkirchenbundes teil. Dieser Tag des Treffens gefällt mir stets besonders, da man an Orte kommt, die man sonst kaum betreten würde.

Sie sind da

Abgelegt unter Taizé am 28.12.2007

Waren die Strassen und Plätze gestern noch leer in Genf, sah das Bild heute bedeutend anders aus: 19 Busse allein aus Polen parkten am Flughafen. Ein endloser Menschenstrom ergoss sich aus und in das Palexpo-Gebäude. Ein vertrautes Bild jedesmal das Pressecenter: Wenn auch die Journalisten aus mehreren europäischen Ländern kommen, man kennt die Typen, die für die katholischen Nachrichtenagenturen oder für das TV produzieren. Der obligate Abschlussdrink an einer Bar mit den ZDF-Leuten gehört zum festen Ritual. Wenn am Abend Frère Alois, Prior von Taizé, sich für den Empfang der Gaststadt bedankt und sich alle zur ersten Abendandacht versammeln, erst dann beginnt das Treffen wirklich. Erstmals passen alle 40 000 Menschen in eine einzige Halle. Ein gewaltiges Teil. Am eindrücklichsten war für mich heute der Moment, als alles in tiefes Schweigen versank. Nur das dumpfe Dröhnen der Heizungsanlage und das Donnern startender Flugzeuge war zu hören. Nach 40-minütigem Warten in der Eiseskälte ging es zurück zur Gastfamilie. Nie schmeckt dann ein heisser Früchtetee besser.

Genf ist nicht die Schweiz

Abgelegt unter Allgemein, Taizé am 27.12.2007

Heute lief ich durch Genfs Strassen, die voll von Menschen waren, die entweder gerade Ski fahren gingen, in den Süden abflogen oder Jahresendeinkäufe tätigten. Ich habe mich im Vorfeld des Taizé-Treffens in Genf oft gefragt, woher die relative Gleichgültigkeit gegenüber diesem Anlass in der Deutschschweiz kommt. Am zweiten Tag in Genf ist klar: Genf ist nicht die Schweiz. Diese Stadt ist alles, nur nicht das. Kamen früher vor allem Franzosen, Portugiesen und die Angehörigen von Mitarbeitern grosser Institutionen wie die Weltbank hierher, leben heute zig Nationen und Farben hier. Und sie kommen des Geldes wegen. Nur deshalb. Das spürt man an ihrem ganzen Gebahren. Und man fühlt sich gut hier. Der Dünkel ist beträchtlicher als in Zürich, der Reichtum schon fast dekadent. Und es ist schon fast dekadent, ein so grosses Kirchentreffen in dieser Stadt abzuhalten …

Noch nicht viel Taizé

Abgelegt unter Taizé am 26.12.2007

Noch nicht viel Taizé in Genf. Das merkte ich heute bei der Ankunft am Paléxpo und Bahnhof. Wenig Plakate, wenig Leute. Der grosse Rest kommt in zwei Tagen vor allem per Flugzeug und Zug. In Paléxpo das gleiche Prozedere wie stets: Instruttionen zum europäischen Treffen, Lotterie um Gastfamilien und Gastpfarreien. Der Parcour mit fremden Verkehrsmitteln durch eine fremde Stadt kommt einem OL gleich. Ankunft im Centre oecumenique im Viertel Méyrin, dann zur Gastfamilie, die gleich neben der Einflugsschneise des Flughafens Genf wohnt. Sehr speziell. Dann zurück zur Messehalle, was ein wenig verunglückte. Wir fuhren im Kreis und der Fahrer war kein Freund von Deutschschweizern. Am Abend todmüde ins Bett. Die Stadt hat mich etwas bedient. Um 23 Uhr kam auch noch die dritte Person zur Gastfamilie. Angeflogen aus Portugal. Wieder ein Kennenlernen-Gespräch. Taizé kann manchmal anstrengend sein.  

Flug Berlin-Zürich

Abgelegt unter Fliegen, Zürich, Berlin am 21.12.2007

Rein in den Taxi nach Tegel, ab nach Zürich. Von Berlin war ich wieder bedient. Zu finster das Wetter, zu gestresst die Leute. Kaum Schlaf, machte ich mich um 10 Uhr auf, meinen neuen Sony Vaio zu holen. In einem Zürcher Industrie-Viertel angekommen, war ich ernüchtert: Jedes zweite Numernschild dort war ein deutsches. Ich will ja in der Schweiz absolut nicht mit Alphorn und Kühen empfangen werden. Auch habe ich nichts gegen Ausländer, ich habe zudem viele gute deutsche Freunde. Doch prickelnd ist ein solcher Anblick nicht. Zürich macht mir in dieser Hinsicht zunehmend kein Spass mehr. Mein Heimatgefühl verschwindet immer mehr. Auch beim Anblick des neuen Riesenschildes der “Deutschen Bank” gegenüber dem Hauptbahnhof. Zürich, und nicht nur das, wird immer verdeutschter. Ich notiere hier etwas öffentlich, was viele nur mit unter dem Tisch gehaltener Faust leise denken. Wie gut tat anschliessend der Nachmittag bei einem Freund in Kriens und die anschliessende Vorstellung im Winterzirkus Salto Natale in Zürich-Kloten.

Strom in den Süden

Abgelegt unter Allgemein am 20.12.2007

Alle Jahre vor den Weihnachtstagen das selbe Bild: Junge Leute strömen mit ihren Rollkoffern und Rucksäcken von ihren Szenebezirken Richtung U-Bahnen, um per Bahn oder Flugzeug heim in Mamas Elternhaus einzukehren. Sie kehren heim in Käffer wie Pforzheim, Offenburg und Hildesheim. Oder auch Wien und Zürich. Da sieht man wieder, dass Berlin von “Südländern” bevölkert wird. Ich bin ja auch einer.


© 2007 Vera Rüttimann