

Heute jährt sich der Todestag des französischen Schauspielers Lino Ventura zum 20. Mal. Ich erinnere mich noch heute lebhaft an diesen nebligen Oktobertag in den 80er-Jahren, als ich von seinem frühen Tod erfuhr. Ich war tief traurig, es war mir, als hätte ich einen guten Bekannten, ja (Film-) Freund verloren. Schon damals war ich ein glühender Fan. Zig mal hatte ich bis dahin schon Filme wie “Die Filzlaus”, “Das Verhör”, “Die Ohrfeige” oder “Adieu, Bulle” gesehen. Allesamt Klassiker des französischen Films- und ich habe sie jeweils eingesogen. Sie liefen seltsamerweise meist auf ARD. Bis heute muss es in diesem Sender wohl ein paar Ventura-Fans geben, immer wieder laufen dort viele seiner Filme. Häufig muss ich mich verteidigen, diesen Typen zu mögen. Dieser Brutaloschläger? Ich hingegen denke: Die sind blind. Noch heute scheint mir Lino Ventura mit Klischees behaftet, noch heute muss, darf, soll er von vielen entdeckt werden. Ich mochte sein kantiges Gesicht mit den dunklen, melancholischen Augen schon immer. Seine kompromisslose, zuweilen harte Art seiner Filmfiguren. Seine zupackende Art. Er spielte einzelgängerische Hardliner mit ruppiger Schale, doch meist spürte man darunter ein weiches Herz. Ob als Mensch oder als Schauspieler: In allem strahlte er Haltung, Würde und Stil aus. Er war ein altmodischer Typ, aber genau das mochte ich an ihm. Bis heute. Wie Millionen anderer Fans wohl hätte ich ihn gerne persönlich kennen gelernt, allein schon, weil er mit seiner Frau mit Perce Neige eine Stiftung für behinderte Kinder gegründet hat, die bis heute existiert. Gewiss idealisiert man Filmpersonen und Ventura hatte wohl auch Schattenseiten, von denen ich nichts weiss. Dennoch schade, dass ich ihn nie interviewen konnte. Was hätte ich dafür gegeben. Noch nicht mal sein Grab auf dem wunderbaren Friedhof Père Lachaise in Paris habe ich gefunden. Beim Ventura-Film “Der Komissar und sein Lockvogel” jedenfalls, der einmal mehr in diesem unübetroffenen 70er-Schick des französischen Kinos daherkommt, werde ich heute abend bei einem Glas Wein sagen: Salute, Lino!