Archiv Juli 2007

Die Sanierungswelle rollt

Abgelegt unter Berlin-Stadtentwicklung am 19.07.2007

Das Licht war heute wieder so top, dass ich mich erneut auf eine Foto-Tour aufmachte. Dabei musste ich ernüchtert feststellen: Es gibt immer weniger unsanierte Höfe und Häuser. Das “Unglatte” verschwindet immer mehr. Im Sommer wird in Berlin meistens gebuddelt und gehämmert wie die Weltmeister, mir drängt sich aber der Eindruck auf, dass jetzt, wo es der Wirtschaft allgemein besser geht, in einem Tempo saniert wird, wie es Berlin schon länger nicht mehr gesehen hat. Als ich an der Brunnenstrasse einen Innenhof besuchte, wo noch bis vor Kurzem bunte Plastikmöbel im 70er-Jahre Style und Kunstinstallationen herumstanden, war alles weg. Platt gemacht von Investoren. Die Sanierungswelle rollt kräftig. Das ist nicht zur Freude aller.

Besuch aus der Schweiz

Abgelegt unter Berlin am 18.07.2007

Jetzt zur Ferienzeit ist meine Wohnung am Helmholtzplatz, die mitten im Szene-Hotspot Prenzlauerberg liegt, eine beliebte Anlaufstelle. Nacheinander kam jetzt Besuch aus der Schweiz. Ähnliches höre ich auch von anderen hier lebenden Schweizern, die berichten, dass sie vor lauter Besuch kaum mehr zum Arbeiten kommen. Es stimmt schon: Die Stadt wird derzeit von Touristen geradezu überrannt. Ich habe noch selten in einem Sommer so wenig deutsch gehört, dafür vernimmt man vor allem spanisch, französisch und polnisch. Und die Russen sind eh überall. Von meiner Wohnung aus ist es nicht weit zum Flughafen Tegel und derzeit sehe ich die Flieger fast im “Sekundentakt” landen. Berlin ist besonders jetzt eine Wucht. Die Strandbars, Szenemeilen und Biergärten, die abends sündländisches Flair verbreiten. Das einmalige gastronomische Angebot, die vielen Top-Ausstellungen in Museen, noch unverbaute Brachen - ich kann Besuchern in dieser Stadt ein fettes Programm schnüren und die dazu nötigen Hintergrundinfos aus 17 Jahren Berlin kriegen sie auch. Allerdings, das zeigte meine Erfahrung wieder, müssen sie folgendes mitbringen: Gutes Schuhwerk (die Gehwege sind eine Plage), Fitness (die Stadt ist vier mal so gross wie Paris), einen aktuellen Reiseführer (alles ändert sich hier täglich) und eine Engelsgeduld (der Service in Kaffees und Restaurants ist noch sehr ausbaufähig).

Fabelhafter Fototag in Kreuzberg

Abgelegt unter Berlin-Stadtentwicklung, Fotografie am 15.07.2007

Nachdem das Wetter sich entschied, nicht mehr so schauerlich zu sein, nahm ich diesen Sonntag früh die U8 Richtung Kreuzberg. An der Skalitzer-Strassse, unweit dort, wo ich 1990 in meiner ersten WG wohnte, starte ich meist eine ausgedehnte Foto-Tour. Im Gepäck bei 36 Grad: Die MF-Pentax, eine Holga, zwei Kleinbild-Kameras. 1. Station: Die Eastside-Galerie. Man wurde auf der Brache fast geröstet, aber die Bilder mussten sein. Hier baut “O2″ eine hässliche Arena und hat sich bereits erdreistet, Originalmauerstücke abzureissen. Überhaupt wird die ganze Gegend hier in einem Jahr nicht mehr wieder zu erkennen sein. Der Oststrand musste bereits umziehen. 2. Station: Brache an der Cuvrystrasse. Hier sollen eigentlich Lofts und Höfe entstehen, aber noch immer klafft hier eine herrliche grosse Brache, auf der sich jetzt ein Türkenmarkt ausbreitet. Soll so bleiben. 3. Station: Das Badeschiff. Dem Verdunsten nah, ging es gegen Abend in die grösste freistehende Badewanne Berlins. Während am Himmel der Rosinenbomber seine letzte Runde drehte, legten DJs hier langsam ihre ersten Scheiben auf. Der perfekte Chill-Out für den ersten wirklichen Sommersonntag in Berlin.


© 2007 Vera Rüttimann