Archiv Juni 2007

Von Zäsuren im Leben

Abgelegt unter Allgemein am 28.06.2007

Immer wieder gibt es Geschehnisse im Leben, wo einem schon im ersten Moment klar wird: Das ist es jetzt. Die Zäsur. Der stets befürchtete Moment, wenn etwas unwiderbringlich kaputt geht. Das ist er jetzt, der Moment, an dem man nicht mehr die selbe ist, die man war. Heute ist mir meine heiss geliebte, rotleuchtende Lampe am Boden in tausend Stücke zersprungen. Wenn nicht ein Wunder passiert, ist heute mehr zerbrochen, als das. Es wird sich auf auf mein ganzes Sein auswirken. Die alte Vera Rüttimann gäbe es nicht mehr.

Eine Legende: Fotokünstler Bernd Becher

Abgelegt unter Fotografie am 25.06.2007

Mit Bernd Becher ist einer der bedeutendsten deutschen Fotografen gestorben. Wo immer in der Nähe eine “Becher”-Ausstellung über Förder- und Kühltürme gezeigt wurde, bin ich hingerannt. Visuell geprägt haben mich allerdings deren Schüler, vor allem Andreas Gursky und Candida Höfer.

Start für Backjumps – The Live Issue #3

Abgelegt unter Berlin-Kunstszene am 24.06.2007

Seit den frühen 90er Jahren halte ich visuelle Veränderungen im Stadtbild Berlins fotografisch fest und somit freue ich mich stets enorm auf das Street-Art Festival “Backjumps” im Kunstraum Kreuzberg. Es ist spannend zu beobachten, in welchem Kontext sich das Festival heute bewegt. Schon die ersten Podien zum Thema fanden unter veränderten Umständen statt. Einst wollten die Macher des Festivals Street-Artisten und Graffiti-Künstlern - von manchen als kriminelle Stadtverschandler verunglimpft - eine Plattform geben. 2007 ist Street-Art längst galerientauglich. Stichwort: Bansky, der in der Szene heute ein rotes Tuch ist. Der Andrang in Bethanien war riesig: Von Kunststudenten, Designern, Fotografen bis zu Journalisten war alles da. Die Street-Art-Bewegung ist zu einem Massenphänomen geworden. Auch wenn damit der Spassfaktor etwas verloren geht, verspricht das Festival dennoch Spannung genug: Ein Beratungskiosk am Ostkreuz, die Ausstellung “Streetart goes Fineart” in der Galerie Tristesse oder die Tour “Senior Street Art”, eine Exkursion, die sich an Menschen ab 55 richtet. Alles schon vorgemerkt. Den Abend liess ich im TEK-STIL Labor in der Hobrechtstr. 54 ausklingen, wo 14 Street-Aristen Styles und Charakters aus Berlin präsentieren. Die Galerie war rappelvoll. Besonders sehenwert waren Kurzfilme über die Street-Art-Szenen in Zagreb, Gdansk und Barcelona. Auf eine Art Bettlaken gebeamt, mit wummenden Beats unterlegt und mit viel Becks begossen.

Ruppert Everett entdeckt Berlin

Abgelegt unter Berlin am 17.06.2007

Derzeit sind viele Touristen in der Stadt, aber auch Filmstars (Tom Cruise) fallen wieder zum Drehen ein. Schöne Sätze über Berlin las ich heute in der Berliner Morgenpost von einem meiner Filmhelden, Rupert Everett: “Berlin ist nie fertig geworden und ich hoffe, dass diese Stadt auch nie fertig wird. Man merkt jeden Tag, den man in der Stadt verbringt, dass sie atmet.” und: “Sie sprechen mich an, reden kurz mit mir. Dann lassen sie einen wieder gehen. Sie sind überhaupt nicht lästig. Berliner haben eine schöne Distanz.” Kein Wunder, das immer mehr ausländische Filmstars Berlin als ihre Lieblingsstadt bezeichnen.

Mein letzter PDS-Parteitag

Abgelegt unter PDS-Die Linke am 16.06.2007

Viele Bilder gingen mir heute morgen durch den Kopf, als ich mich auf den Weg zum Estrel Convention Centre machte, wo an diesem Wochenende PDS und WASG zur neuen Partei “Die Linke” fusionierte. Relativ emotionslos verfolgte ich im Plenum erst die Reden, auch konnte ich nicht mehr viele Leute begrüssen, da einige Freunde und Bekannte die PDS längst verlassen haben. Ein wenig wehmütig um’s Herz wurde mir aber dann doch, als ich zur späten Stunde Gregor Gysi’s letzter Rede auf einem PDS-Parteitag lauschte. Rethorisch brilliant und emotional (Gysi at his best!), erinnerte er noch einmal an Unvergessliches aus den vergangenen 17 Jahren: An den SED-Sonderparteitag 1989 und die Krisenparteitage in den Nachwendejahren, als es um die nackte Existenz der PDS ging; An aufwühlende Demos und Künstleraktionen; An bedrohliche Finanzkrisen und den Hass der Polit-Eliten aus dem Westen, den PDS-Politiker in Bonn spürten; An gefeierte Wahlerfolge in den Ländern und den verfehlten Wiedereinzug in den Bundestag. Beinahe alles habe ich ja selbt mitverfolgt und miterlebt. 17 Jahre lang! Mal mit ungeheuer viel Sympathie, mal mit wohlbegründeter, tiefer Abneigung. Über Jahre selbst in ihr aktiv, hat diese Partei mich doch in meinen Ansichten über Politik, Gesellschaft und das Parteileben zutiefst geprägt. Negativ wie positiv. Während ich den Reden von Gysi, Bisky und Co. lauschte, wurde mir auf neue Weise klar: Ob ich will oder nicht, die PDS war eine einschneidende Phase in meinem Leben, ist unauslöschlich in meinem Inneren eingebrannt. Zu einmalig und historisch waren einige der Erlebnisse vor allem in den Anfangsjahren, zu schön die Höhepunkte, zu schmerzvoll und folgenreich aber auch die Enttäuschungen vor allem über Menschen in der PDS. …
Noch einmal also konnte ich mit Freunden die Rituale beobachten, die uns all die Jahre über treu begleitet haben: Die mahnende Eröffnungsrede von Hans Modrow, das holperig abgelesene Referat von Lothar Bisky, den madonnenhaften Auftritt von Sarah Wagenknecht und die endlosen “GO”-Anträge. Die Begrüssung der “Genossen” aus Kuba, Chile und Frankreich, den Klatsch und Trasch in den verrauchten Hallengängen und klassenkämpferische Lieder von Konstantin Wecker. Zum Schluss die “Internationale” samt hochgehaltener Faust. Ein ehrlich gemeintes Ritual auch, als Gregor Gysi Hans Modrow wüdigte, der die Idenität der PDS entscheidend mitgeprägt hat. Auch erinnerte er an seine Leistung als DDR-Ministerpräsident. (Gysi: “Das wurde auch in Ostdeutschland viel zu wenig gewürdigt”) Standing Ovations. Ich gönnte es ihm von Herzen.
Gregor Gysi knipste also für die PDS das Licht aus. Und jetzt? Ob da etwas zusammenwächst, was wirklich zukunftsfähig ist und neue, junge und unverbrauchte Leute anzieht, bezweifle ich derzeit. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren. Ganz geheuer jedenfalls ist mir Oskar Lafontaine nicht. In meinen Augen ein Populist und Spalter, der der neuen Partei eher schadet, als nützt. Wer weiss, ob er nicht irgenwann wieder den “Lafontaine” macht und seine Sprunghaftigkeit unter Beweis stellt. Da war und ist mir der sozialistische Feingeist Gregor Gysi lieber. Faszinierend zu beobachten war auch, was da im Estrel schon rein äusserlich aufeinander traf. Hier die PDS, deren Funktionsträger heute meist in feinem Zwirn steckt, dort die WASG-Leute, die vom Habitus meist wie Bewohner alternativer WG’s daherkommen. Ex-SPD, Verdi und IG-Metall trifft nun auf Leute, die vorher grösstenteils schon in der SED waren. Eine brisante Mischung, die, kein Frage, Spannung verspricht. Ich beobachte weiter.

Allgegenwärtige Kunst am Kirchentag

Abgelegt unter Allgemein am 09.06.2007

Mein Auftrag lautete an diesem Tag in Köln: Mich auf die Spuren von Kunst und Kultur am Kirchentag machen. Und die fand man auch heute reichlich vor. Fast weht in der Stadt und in den Messehallen ein Hauch von Documenta, so hochkarrätig sind teilweise die ausgestellten Stücke. Tropisch war es heute erneut, doch mit der letzten Energie, die mir der Grossevent gelassen hat, machte ich mich auf zum “Raum der seligen” Momente, ein Pavillon, in dem Menschen Bewegendes auf Papier notieren können, die dann im Kubus aufgehängt werden. Es gibt Installationen, die “Zum Teufel”, “Die Taufmaschine” oder “Dekalog” heissen, doch dieser Austellungsorte hat mich heute am meiste berührt. Wie immer setzte ich mich abends in den Beachclub der “Rheinterrassen” und liess den Tag bei spährischen Klängen am Rhein ausklingen.

Abgelegt unter Allgemein am 08.06.2007

Erinnerung an Rostock-Lichtenhagen

Abgelegt unter Allgemein am 03.06.2007

Schreckliche Bilder aus Rostock zum G8-Gipfel in Heiligendamm. Die eskalierende Gewalt erinnert mich sehr an eine andere grosse Strassenschlacht, die ich 1992 in Rostock-Lichtenhagen bei einer PDS gegen Rechtsradikale erlebt habe. Hetzjagt auf Fotografen. Ein Pflasterstein landete auf meinem Kopf. Seitdem ist mein Bedarf an Strassenkrawall gedeckt.


© 2007 Vera Rüttimann