

Es ist schon wahr, wenn einige monieren, mein Kommentar zu Markus Wolf’s Ableben sei etwas zu zynisch ausgefallen. Dieser Mann, dessen Familiengeschichte für die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts steht, hat natürlich auch mich nie kalt gelassen. Gerade habe ich das Buch die “Troika” aus einer der untersten Schubladen wieder hervorgekramt. Um die 89er Wende war das Buch, das von der lebenslangen Freundschaft der Söhne dreier Emigrantenfamilien handelt, fast Pflichtstoff. So sehr machte Markus Wolf als Buchautor Furore. In den Jahren nach der Wende tief in PDS-Kreisen verkehrend, traf ich immer wieder auf ihn. An Lesungen im Club der deutsch-russischen Freundschaft, im Gebäude des “Neuen Deutschland”, mit Hans Modrow in der PDS-Parteizentrale. Es war eine verrückte Zeit. Wenn Leute wie Wolf & Co. lasen, strömten die Massen.
Markus Wolf war ein faszinierender Mensch, umgab ihn doch eine im Osten selten anzutreffende aristokratische Aura. Der Spion a.D. hatte wenig gemein mit dem kleinbürgerlichen Habitus, den man in PDS-Kreisen so häufig antraf. Wenn ich den Namen Wolf höre, erinnere ich mich allerdings auch an die Tage und Wochen, in denen ich als Prozessbeobachter für Zeitungen in deutschen Gerichten sass. Es steht mir kein Urteil zu, dennoch: Damals versteinerte ich im Bank, als ich erkannte, dass dieser eigentlich geniale Kopf sich nie wirklich durchringen konnte, seinen moralischen Anteil am Scheitern der DDR klar und deutlich zu benennen. Aber freilich, da war er nicht der Einzige.