Archiv der Kategorie 'Berlin-Kastanienallee'

Der Groll der alten Dame

Abgelegt unter Berlin-Kastanienallee am 05.10.2008

Das Wetter war an diesem Sonntag ziemlich schauerlich, nur wenige Leute verirrten sich in die Zionskirche. Eine Person unterhielt mich dennoch glatte 2 Stunden. Sie schaute sich meine Berlin-Bilder an und hatte, wie viele vor ihr auch, einige Dinge zur Stadt zu sagen, die ich nicht weiss. Die Frau, alt, todkrank und noch immer als Journalistin arbeitend, erzählte dabei u.a auch ihre Lebensgeschichte. Sie sprach vom Leben ihrer Grosseltern in Berlin, von ihrer Flucht als Kind aus Preussen, vom Alltag in West-Berlin, von Ulrike Meinhof, die sie kannte und ihrem Argwohn gegenüber einzelnen Juden, “die sich alles erlauben können”. Wo ist eigentlich das Denkmal für die Opfer der Vertreibung, fragte sie. Die Frau hat viel erlebt. Am grössten ist ihr Groll aber über die Latte macciatto schlürfenden Leute in Gegenden wie hier, die, statt sich politisch heute zu engagieren, nur um ihr eigenes kleinbürgerliches Wohl kümmern. Obwohl gerade die Welt aus den Fugen zu brechen scheint (Finanzkrise). Da hat sie verdammt noch mal nicht unrecht.

Szenestrasse im Angebot

Abgelegt unter Berlin-Kastanienallee, Berlin-Stadtentwicklung am 15.10.2007

“Szenestrasse im Angebot”. So hiess die Überschrift eines Artikels der Welt am Sonntag über die Kastanienallee. Die bei vielen als so urban geltende Strasse werde kommerzialisiert, heisst es darin im Subtext. Billige Inder, Thai-Restaurants und Moderamschläden würden allmählich die Szenestrasse verschandeln. Ein Phänomen, wie es schon länger rund um den Hackeschen Markt zu beoachten sei. Auch ich hoffe innigst, dass diese Meile nicht vollends kommerzialisiert wird.

Blau im Schwarzsauer

Abgelegt unter Berlin-Kastanienallee am 15.11.2006

Ein herrliches Licht herrschte heute. Also Kamera eingepackt und los. Der erste Stopp wie so oft am Café Schwarzsauer in der Kastanienallee. Was für ein sonderbarer Ort, dachte ich heute wieder. Man trifft hier zu allen Tages- und Nachtzeiten Leute an, die Latte Macchiatos schlürfen. Die Leute aber, die sind der Gipfel. Das Grüppchen hier hatte schon um 11 Uhr ein Schuss Rum in der Cola. Hatten wohl eine Club-Tour hinter sich. Hätte einer ihre Köpfe aufgeschnitten, wäre daraus wohl ein wüster Buchstabensalat herausgequollen. Die anderen Freaks, Studenten und Werber hinter der breiten Fensterfront nahmen’s gelassen. In diesem Wohnzimmer heisst die Devise: Leben und leben lassen.

Perfekt abhängen

Abgelegt unter Berlin-Kastanienallee am 29.09.2006

Steuern hin, Steuern her, das Wetter war einfach zu schön, um gänzlich drinnen zu versauern. Schliesslich warten rund um den Helmholtz-Platz und die Kastanienallee einige Orte auf, die dazu einladen, den Altweitersommer noch mal richtig zu inhallieren: Das Café Schwarzsauer, in dem die Kastanien-Community rumlümmelt, das “103″ neben der Zionskirche und schliesslich das Café “Eka”, in dem ein Tortenstop gemacht wurde.

Ausgehungert

Abgelegt unter Berlin-Kastanienallee, Berlin-Tacheles am 20.09.2006

Es sind diese Schnittestellen zwischen Design, Architektur und Urbanismus, die mich nach einer Zeit der Absenz jeweils wie ausgehungert auf Berlin stürzen lassen. Nach getaner Arbeit auch heute, zuerst zum Design-Shop „Luxus International“ an der Kastanienallee, dann zum Fotoshop-Konzeptladen in der Invalidendstrasse, schliesslich zu diversen Galerien, die sich auf das Art Forum vorbereiten. Es ist das Unfertige, Kantige, das Nebeneinander von Glamourösem und Hässlichem, was hier auf Anhieb reizt. Zum Abschluss der Tour zog es mich zum Tacheles, wohl auch, weil diese sonderbare Wandtapete schräg gegenüber bald Geschichte sein wird.


© 2008 Vera Rüttimann