Bis kurz vor Beginn wurde geklebt, gesägt und gehämmert. Wohl mancher Daumen musste dran glauben. Aber dann, als der “Karneval der Kulturen” unweit des Hermannplatzes in Neukölln startete, standen sie alle schön in Reih und Glied: Rote, blaue und gelbe Schafe. Solche mit Glocken und Glühbirnen, mit Feder- oder Strickkleid. Umgeformt als Schiff, Skifahrer oder Engel. Alles Originale. Als die “Schwiizlis” - in Berlin lebende Schweizer Kreative -, sich entschlossen, offiziell als Gruppe beim Berliner “Karneval der Kulturen” mitzumachen, dachten wohl so manche: Schauen’ wer mal. … An diesem Pfinstsonntag dann wurden wohl alle von der überwältigenden Resonanz überrascht. Natürlich konnten die Schwiizlis mit ihrer Performance nicht derart glänzen wie die Siegergruppe “Dulce Compania”, die gar auf Stelzen daher kam. Auch von den Brasilianern, von wem auch sonst, wurde man ausgestochen. Doch in der Schweizer Schafherde konnte man nicht meckern. Überall ein grosses Bohei und Gejuchze am Strassenrand. Der Clou waren die Alphörner, die von den Berlinern mit tellerrand-grossen Augen bestaunt wurden. Es war jeweils still wie in einer Kirche, wenn sich die beiden Alphornisten an der Spitze des Zuges ins Zeug legten. Ein Moment der Ruhe inmitten eines tobenden Orkans. Einmalig schön und bewegend. Wer hätte das gedacht? Über Stunden ging das so und mit jeder Kurve schoss mehr Adrinalin in die Schafherde. Das Gebimmel und Gebommel wurde immer lauter. Berrauschend leuchteten die Farben, auch, weil die Mai-Sonne alles wie ein Spotlight ausleuchtete. Fleissig verteilte die Gruppe die rote Karte mit Schaf und dem Slogan “Wir sind hier”. Stoppte der Zug, kam es zu drängenden Fragen: “Wer und was ist hier und was soll das Schaf?” Und: “Was heisst “Chumm sässässaa?” Alles blökte zum Schluss wild durcheinander. Wohl manches Schaf ist an diesem Tag neu zur Herde dazugestossen. Für die erste Teilnahme am “Karneval der Kulturen” war die Performance gar nicht übel.
Hinweis: Vom Karneval habe ich noch zahlreiche Bilder mehr gemacht. Interessenten melden sich bitte unter: info@veraruettimann.com