Archiv der Kategorie 'Berlin-Stadtentwicklung'

RAW-Tempel, Besuch bei den Bildern

Abgelegt unter Berlin-Stadtentwicklung am 03.10.2008

Zum 18. Mal 3. Oktober. Dieses merkwürdige Datum, zu dem viele so zwiespältige Gefühle haben. Nachmittags Besuch bei meinen Berlin-Bildern in der Zionskirche. Es geht ihnen gut. Die Leute, die sie besuchen, sehen sie lange an. Manche brauchen gar keine Erklärungen. Anschliessend zum RAW-Tempel in Friedrichshain. Thema dort: 1 Jahr Projekt “Mediaspree versenken”. Passt irgendwie zu diesem Datum.

Russische Tapeten und zwei Katzen bei Inga Jacob

Abgelegt unter Berlin-Stadtentwicklung, Berlin-Kunstszene am 02.10.2008

Heute Interviewtermin bei Inga Jacob, der Gründerin der Veranstaltungsreihe Bohème sauvage in Friedrichshain. Ich war sicher ein Jahr nicht mehr in der Gegend rund um die Simon-Dach-Strasse. Auch hier ein ähnliches Bild wie in vielen Vierteln Berlins. Schmuddelige Lokale und szenige Bars sind teuren Bio-Läden und “Lofts” gewichen. Dicke Autos überall. An der Frontseite des Café Cinema prangt jetzt ein Bankautomat. Hätte man das nicht ein wenig dezenter machen können? Das unsanierte Haus von Inga Jacob strahlt noch wohltuenden Charme aus. Und erst die Wohnung, in der sie mich mit Konstantin empfing. Von oben bis unten mit edlen russischen Tapeten gekleidet, dazu Dinge wie ein altes Gramophon, grosse Spiegel, Bücher über die 20er Jahre in Berlin und zwei anhängliche Katzen. Gibt es schönere Arbeitsbedingungen?

Grosses Kino am Flughafen Tempelhof

Abgelegt unter Berlin-Stadtentwicklung am 09.02.2008

In der Haupthalle des Flughafens Tempelhof lag das Gepäcksband für einmal nicht regungslos da. Aufgrund der Berlinale war sogar für Tempelhofer Verhältnisse einiges los. Auch sonst war die monströse Halle gut gefüllt. ICAT, die Interessengemeinschaft, die das Volksbegehren zur Offenhaltung des Flughafens lanciert hat, lud heute Samstag zur Tempelhof-Party Es kamen viele Westberliner, meist um die 60. Als flugbegeisterter und an Zeitgeschichte interessierter Mensch, kam ich im Flughafenrestaurant schnell ins Gespräch mit Veteranen, die selbst Rosinenbomber flogen und auch mit Berlinern, die die Luftbrücken-Tage noch erlebt hatten. Ihr Star war natürlch Gail Halvorsen, der Candy-Pilot, der damals mit den Flügeln wackelte, wenn er wieder Süssigkeiten runter warf. Star war jedoch einmal mehr der Flughafen selbst. Unter dem Hangar des zweitgrössten Gebäudes der Welt standen einige liebevoll restaurierten historischen Flugzeuge. Man hing buchstäblich an den Scheiben. “Jetzt geht wieder eine!”, rief immer einer. Wie silberne Zigarren schossen sie über das Rollfeld und verschwanden zu ihrem Nachtflug. Ein einzigartiger Ausblick. Grosses Kino! Berlinale, wie? Danach lärmte eine Rockband, swingte Andrej Hermlin mit seinem Orchester. Dazu servierten Damen Lufthansa-Schnäppse. Auf ihrem Kopf trugen sie so etwas wie eine Miniatur-Nachbildung der “Hungerharke”. Stylisch. Als Schweizer war ich wieder einmal weit und breit allein auf der Flur, was neugierige Fragen nach sich zog. Typisch: Anders als zu den Aktionen zum Palast der Republik zieht es zu Tempelhof-Aktionen kein Jungvolk aus Mitte und Prenzlberg. Der Nazi-Flughafen ist wohl nicht szenig genug. Auch muss man ein bisschen etwas über seine Geschichte wissen. Cool fand ich aber die Westen, die die ICAT-Helfer trugen. Wenn ich eine haben wolle, so ein ICAT-Mann, müsse ich sie mir schon “verdienen”. Konkret: Ich muss demnächst mal vor einem der Berliner Bezirksämter stehen, um dort für Tempelhof zu werben. Wenn ich als Nicht-EU-Bürger schon nicht abstimmen darf, mach ich das eben.

Tacheles: 2008 ist Schluss

Abgelegt unter Berlin-Tacheles, Berlin-Stadtentwicklung am 03.02.2008

Sonntag nachmittag beim Latte im Galao durchfuhr es mich wie ein Blitz, als ich im Tagesspiegel las: Ende 2008 schliesst das Tacheles, den Betreibern wurde gekündigt. Das tat weh. Klar, den Groove einer kreativen Trutzburg inmitten vom Mitte-Mainstream hat das Kunsthaus längst verloren, dennoch verbinden mich mit ihm wildeste Berliner Nachwende-Erinnerungen. Sich riesig auftürmende Schrottgebirge, in den Boden eingegrabene Busse und Trabis. Latte trinken auf einer herrlich grossen Freifläche, die es so in anderen Metropolen längst nicht mehr gibt. Etwas entdeckt zu haben, lange, lange vor dem grossen Rest. Das Foto zum gut geschriebenen Artikel im Tagesspiegel war seltsamerweise ziemlich schauerlich. In meinem Archiv schlummert anderes Material. weiterlesen »

Szenestrasse im Angebot

Abgelegt unter Berlin-Kastanienallee, Berlin-Stadtentwicklung am 15.10.2007

“Szenestrasse im Angebot”. So hiess die Überschrift eines Artikels der Welt am Sonntag über die Kastanienallee. Die bei vielen als so urban geltende Strasse werde kommerzialisiert, heisst es darin im Subtext. Billige Inder, Thai-Restaurants und Moderamschläden würden allmählich die Szenestrasse verschandeln. Ein Phänomen, wie es schon länger rund um den Hackeschen Markt zu beoachten sei. Auch ich hoffe innigst, dass diese Meile nicht vollends kommerzialisiert wird.

Das Badeschiff ist Kult

Abgelegt unter Berlin, Berlin-Stadtentwicklung am 16.08.2007

Wann immer es einigermassen warm ist in diesem Sommer, geht’s ins Badeschiff in Berlin-Treptow. Das ist wohl das aussergewöhnlichste Schwimmbad in Europa. Der riesige Trog, in dem heute vergnügungssüchtige Berliner und Gäste aus dem Ausland planschen, war früher eigentlich mal ein Schiff, dass die Spree mit Kohlen und Kies runterschipperte. Heute feiert hier die Szene. Der Blick geht aus dem türkis schimmernden Bad hinaus auf die Treptowers, die aufwändig sanierten Spreespeicher sowie auf den Fernsehturm. Bei groovigen Klängen ist dieser Ort seit 2004 nicht zu toppen.

Die Sanierungswelle rollt

Abgelegt unter Berlin-Stadtentwicklung am 19.07.2007

Das Licht war heute wieder so top, dass ich mich erneut auf eine Foto-Tour aufmachte. Dabei musste ich ernüchtert feststellen: Es gibt immer weniger unsanierte Höfe und Häuser. Das “Unglatte” verschwindet immer mehr. Im Sommer wird in Berlin meistens gebuddelt und gehämmert wie die Weltmeister, mir drängt sich aber der Eindruck auf, dass jetzt, wo es der Wirtschaft allgemein besser geht, in einem Tempo saniert wird, wie es Berlin schon länger nicht mehr gesehen hat. Als ich an der Brunnenstrasse einen Innenhof besuchte, wo noch bis vor Kurzem bunte Plastikmöbel im 70er-Jahre Style und Kunstinstallationen herumstanden, war alles weg. Platt gemacht von Investoren. Die Sanierungswelle rollt kräftig. Das ist nicht zur Freude aller.

Fabelhafter Fototag in Kreuzberg

Abgelegt unter Berlin-Stadtentwicklung, Fotografie am 15.07.2007

Nachdem das Wetter sich entschied, nicht mehr so schauerlich zu sein, nahm ich diesen Sonntag früh die U8 Richtung Kreuzberg. An der Skalitzer-Strassse, unweit dort, wo ich 1990 in meiner ersten WG wohnte, starte ich meist eine ausgedehnte Foto-Tour. Im Gepäck bei 36 Grad: Die MF-Pentax, eine Holga, zwei Kleinbild-Kameras. 1. Station: Die Eastside-Galerie. Man wurde auf der Brache fast geröstet, aber die Bilder mussten sein. Hier baut “O2″ eine hässliche Arena und hat sich bereits erdreistet, Originalmauerstücke abzureissen. Überhaupt wird die ganze Gegend hier in einem Jahr nicht mehr wieder zu erkennen sein. Der Oststrand musste bereits umziehen. 2. Station: Brache an der Cuvrystrasse. Hier sollen eigentlich Lofts und Höfe entstehen, aber noch immer klafft hier eine herrliche grosse Brache, auf der sich jetzt ein Türkenmarkt ausbreitet. Soll so bleiben. 3. Station: Das Badeschiff. Dem Verdunsten nah, ging es gegen Abend in die grösste freistehende Badewanne Berlins. Während am Himmel der Rosinenbomber seine letzte Runde drehte, legten DJs hier langsam ihre ersten Scheiben auf. Der perfekte Chill-Out für den ersten wirklichen Sommersonntag in Berlin.


© 2008 Vera Rüttimann