In der Haupthalle des Flughafens Tempelhof lag das Gepäcksband für einmal nicht regungslos da. Aufgrund der Berlinale war sogar für Tempelhofer Verhältnisse einiges los. Auch sonst war die monströse Halle gut gefüllt. ICAT, die Interessengemeinschaft, die das Volksbegehren zur Offenhaltung des Flughafens lanciert hat, lud heute Samstag zur Tempelhof-Party Es kamen viele Westberliner, meist um die 60. Als flugbegeisterter und an Zeitgeschichte interessierter Mensch, kam ich im Flughafenrestaurant schnell ins Gespräch mit Veteranen, die selbst Rosinenbomber flogen und auch mit Berlinern, die die Luftbrücken-Tage noch erlebt hatten. Ihr Star war natürlch Gail Halvorsen, der Candy-Pilot, der damals mit den Flügeln wackelte, wenn er wieder Süssigkeiten runter warf. Star war jedoch einmal mehr der Flughafen selbst. Unter dem Hangar des zweitgrössten Gebäudes der Welt standen einige liebevoll restaurierten historischen Flugzeuge. Man hing buchstäblich an den Scheiben. “Jetzt geht wieder eine!”, rief immer einer. Wie silberne Zigarren schossen sie über das Rollfeld und verschwanden zu ihrem Nachtflug. Ein einzigartiger Ausblick. Grosses Kino! Berlinale, wie? Danach lärmte eine Rockband, swingte Andrej Hermlin mit seinem Orchester. Dazu servierten Damen Lufthansa-Schnäppse. Auf ihrem Kopf trugen sie so etwas wie eine Miniatur-Nachbildung der “Hungerharke”. Stylisch. Als Schweizer war ich wieder einmal weit und breit allein auf der Flur, was neugierige Fragen nach sich zog. Typisch: Anders als zu den Aktionen zum Palast der Republik zieht es zu Tempelhof-Aktionen kein Jungvolk aus Mitte und Prenzlberg. Der Nazi-Flughafen ist wohl nicht szenig genug. Auch muss man ein bisschen etwas über seine Geschichte wissen. Cool fand ich aber die Westen, die die ICAT-Helfer trugen. Wenn ich eine haben wolle, so ein ICAT-Mann, müsse ich sie mir schon “verdienen”. Konkret: Ich muss demnächst mal vor einem der Berliner Bezirksämter stehen, um dort für Tempelhof zu werben. Wenn ich als Nicht-EU-Bürger schon nicht abstimmen darf, mach ich das eben.